Standard-Software für individuelle Verträge in der Industrieversicherung
Individuelle Industrieversicherungsverträge erfordern eine flexible Standard‑Software, die komplexe Risiken, internationale Anforderungen und modulare Produktlogiken effizient abbildet. Faktor Zehn Industry bietet dafür eine skalierbare Plattform, die Underwriting, Bestandsführung und Datenqualität nachhaltig verbessert.

Standard-Software für individuelle Verträge in der Industrieversicherung: Die Quadratur des Kreises
Die individuellen Verträge in der Industrieversicherung unterscheiden sich grundlegend von standardisierten Produkten im Privat- oder Kleingewerbegeschäft. Die großen Unternehmen fragen nach maßgeschneiderten Versicherungslösungen, die exakt auf die betrieblichen Anforderungen, die internationalen Aktivitäten und technischen Gegebenheiten abgestimmt sind.
Diese Komplexität hat direkte Auswirkungen auf die Vertragsgestaltung und -verwaltung:
- Policen werden häufig über Makler vermittelt, beinhalten spezifische Wordings, übernehmen bestehende Vereinbarungen oder müssen individuell abgestimmt werden.
- Die Anzahl der zu versichernde Objekte ist hoch,
- Vertragsverhandlungen sind langwierig, und
- bei der Preisgestaltung spielen so-wohl Marktmechanismen als auch technische Prämienberechnungen eine ebenso große Rolle.
Hinzu kommt die Komplexität durch das Führungs- und Beteiligungsgeschäft, bei dem sich mehrere Versicherer das hohe Risiko aufteilen. Daher werden solche Policen heute oft noch einzeln manuell ausgefertigt. In Zeiten des Klimawandels und neuen oder steigenden Risiken wie z.B. durch Cyberangriffe muss ein Versicherer jederzeit alle gezeichneten Risiken und Klauseln strukturiert im Blick haben. Des Weiteren führt auch das Ziel von Wachstum in Richtung Midmarket dazu, dass Policen strukturierter erfasst werden müssen, was ebenso die Integration in die bestehende IT-Systemlandschaft und den Einsatz von KI z.B. zur Optimierung der Datenübernahme erleichtert. Nur so können die heutigen Ansprüche an Automatisierung, Datenqualität und Transparenz erreicht werden.
Eine Plattform für modulare Prozesse
Um diese Herausforderungen der Industrieversicherung zu bewältigen, braucht es eine Lösung, die hochgradig individuelle Vereinbarungen strukturiert abbilden und zugleich effizient verarbeiten kann – ohne dabei an Flexibilität zu verlieren.
Speziell für die Anforderungen der Industrieversicherung hat Faktor Zehn eine Standard-Software „Faktor Zehn Industry“ entwickelt. Die Lösung basiert auf Faktor-IPS als zentralem Modul zur Modellierung von Produkten und Vertragsstrukturen. Darauf aufbauend stehen mit Faktor-IOS und Faktor-IPM zwei eigenständige Module zur Verfügung, die gezielt auf die Prozesse der Industrieversicherung ausgelegt sind: Faktor-IOS unterstützt das Underwriting, Faktor-IPM übernimmt die Bestandsführung der komplexen Verträge im Führungs- und Beteiligungsgeschäft und in internationalen Programmen.
Optional lassen sich weitere Bestandteile des Faktor Zehn Portfolios integrieren – etwa das Document Center für die Dokumentenerzeugung oder der Task Manager zur Abbildung interner Aufgaben wie Angebotsfreigaben. Dank offener Schnittstellen sind alle Module flexibel kombinierbar. So entsteht eine Plattform, die sich nahtlos in bestehende Systemlandschaften einfügt und gleichzeitig Raum für Weiterentwicklung lässt.
Ein flexibles Produktmodell als stabile Grundlage
Individuelle Policen erfordern ein durchdachtes Fundament: Internationale Standorte, komplexe Lieferketten oder spezifische Gefährdungslagen stellen hohe Anforderungen an Inhalt und Struktur. Häufig sind viele Risikoobjekte in verschiedenen Ländern zu berücksichtigen – mit unterschiedlichen Steuervorgaben, rechtlichen Rahmenbedingungen oder Sprachregelungen.
Faktor-IPS bildet diese Komplexität zentral ab. Das Produktmodell erlaubt es, individuelle Bausteine wie Deckungen, Klauseln oder Regelwerke modular aufzubauen und in verschiedenen Varianten, Sprachfassungen oder Konfigurationen bereitzustellen. Inhalte können wiederverwendet und an regionale oder fachliche Anforderungen angepasst werden. So greifen Änderungen automatisch über alle relevanten Prozesse hinweg: von der Angebotserstellung bis zur Policierung.
Die verschiedenen Formulierungen der Klauseln, wie sie beispielsweise von Maklern eingebracht oder aus Bestandsverträgen übernommen werden, können separat von den Verträgen mehrsprachig verwaltet werden, so dass der ‘Wildwuchs‘ beherrscht werden kann. Damit bleiben Vertragsinhalte nachvollziehbar, verlässlich und über Reports hinweg auswertbar – auch bei hoher Individualisierung.
Risiken systematisch bewerten und verarbeiten
Die strukturierte Erfassung und Bewertung von Risiken ist ein zentrales Element in der Industrieversicherung. Anders als im Privatkundengeschäft lassen sich viele Risiken nicht pauschal kalkulieren, sondern müssen detailliert analysiert werden – je nach Branche, Region oder Risikoobjekt.
Faktor Zehn Industry ermöglicht die vollständige Integration risikobasierter Fragebögen in die Angebotsprozesse. Dabei werden dynamische Abhängigkeiten, risikospezifische Prüfungen und individuelle Ausprägungen berücksichtigt. Relevante Informationen – etwa zum Standort, zur Nutzung, zu Schutzmaßnahmen oder zur Schadenhistorie – werden systematisch erfasst und direkt in das Produktmodell überführt. So können Deckungsvorbehalte, Ausschlüsse oder besondere Bedingungen automatisch abgeleitet und im Vertrag dokumentiert werden. Das sorgt für Nachvollziehbarkeit im Underwriting und reduziert manuelle Nacharbeiten.
Die strukturierte Datenbasis hat darüber hinaus weitere Vorteile: Sie ermöglicht eine konsistente Steuerung von Folgeprozessen, beispielsweise bei der Prämienermittlung, und bildet die Grundlage für Auswertungen und Analysen. So lassen sich etwa Schadenhäufungen in bestimmten Regionen erkennen oder Deckungstrends identifizieren.
Skalierbarkeit ermöglichen – durch Struktur und Integration
Viele Systeme in der Industrieversicherung sind historisch gewachsen. Prozesse wurden über Jahre hinweg angepasst, ergänzt oder umgangen – mit der Folge, dass digitale Durchgängigkeit oft fehlt und Reports über den Bestand lückenhaft sind. Medienbrüche, manuelle Nachbearbeitungen und unklare Datenflüsse kosten Zeit und führen zu unnötiger Komplexität. Moderne Produktarchitekturen müssen daher nicht nur fachlich flexibel, sondern auch technisch anschlussfähig sein. Faktor Zehn Industry begegnet dieser Herausforderung mit einer klar strukturierten Architektur:
- Modular aufgebaute Bausteine, zentral gepflegte Inhalte und definierte Schnittstellen sorgen für Durchgängigkeit.
- Komponenten wie Deckungen oder Risikofragebögen lassen sich mehrfach verwenden, gezielt anpassen und zentral steuern.
- Änderungen an Regelwerken wirken automatisch in allen verbundenen Modulen.
Als zusätzlicher Projektbeschleuniger dient der bereitgestellte Mustercontent zu den einzelnen Sparten. Beginnend mit Property (Sachversicherung und Ertragsausfall), Engineering (Stationäre und mobile Maschinen und Electronics), gefolgt von Marine (Transport), Liability (Betriebshaftpflicht) und Cyber. Der Mustercontent enthält Beispielprodukte mit vollständigen, aber bewusst vereinfachten Strukturen, die typische Deckungen, Regeln und Komponenten abbilden. Darüber hinaus veranschaulicht der Content, wie die fachlichen Anforderungen sinnvoll in UI-Logiken überführt werden können – etwa bei der Erfassung von Risikoobjekten, der Zuweisung von Deckungen oder der Abbildung spartenspezifischer Besonderheiten. In der Sparte Property gelten Deckungen in der Regel für alle erfassten Risikoobjekte einer Deklaration, während im Bereich Engineering Deckungen gezielt einzelnen Objekten zugeordnet werden können. Solche Unterschiede werden im Mustercontent berücksichtigt, um einen praxisnahen Einstieg in die Produktmodellierung zu ermöglichen. Die Inhalte lassen sich direkt übernehmen, individuell erweitern oder als Grundlage für eigene Ansätze verwenden.
Für die technische Integration in bestehende IT-Systemlandschaften sorgt eine serviceorientierte Architektur. Neue Funktionen lassen sich stufenweise einführen, ohne den laufenden Betrieb zu stören. Auch die Datenhaltung bleibt konsistent: Informationen müssen nicht mehrfach gepflegt werden, sondern können zwischen Systemen ausgetauscht und weiterverarbeitet werden – etwa zwischen Bestandsführung und Angebotsprozess.
Strukturierte Angebote im internationalen Einsatz
Wie sich komplexe Anforderungen der Industrieversicherung mit einem einheitlichen Modellansatz strukturieren lassen, zeigt ein gemeinsames Projekt von Faktor Zehn mit der HDI Global. Ziel war es, die Angebotsprozesse weltweit zu vereinheitlichen und technisch auf eine nachhaltige Basis zu stellen. Im Zentrum stand die Einführung einer Underwriting Workbench, mit der die Underwriter der HDI Global schon heute weltweit Risiken erfassen, Deckungen konfigurieren und Angebote erstellen können. Die Anwendung basiert auf dem Modul für Angebot/ Antrag Faktor-IOS und ist speziell auf die Anforderungen der Industrieversicherung zugeschnitten.
Als fachliches Rückgrat dient das Produktmodell in Faktor-IPS. Dort werden die Versicherungsprodukte inklusive Regelwerke und Varianten zentral gepflegt und für alle Sparten bereitgestellt. Die Kombination aus strukturierter Produktlogik und angepasster Benutzeroberfläche ermöglicht konsistente, transparente und nachvollziehbare Angebote – auch bei hoher Komplexität und regionalen Unterschieden.
Ein zusätzlicher Mehrwert entsteht durch die systematisch erfassten Daten: Da alle Informationen strukturiert vorliegen, lassen sich fundierte Auswertungen durchführen – etwa zur Angebotsverteilung nach Ländern, zur Nutzung bestimmter Deckungen oder zur Identifikation auffälliger Risikoklassen. Diese Analysen unterstützen das Underwriting ebenso wie das Management bei Portfolioentscheidungen.
Aktuell werden die Bestandsverwaltung basierend auf Faktor-IPM und die Schadenbearbeitung basierend auf Faktor-ICS schrittweise ausgerollt in perspektivisch rund 25 Länder. Das Projekt zeigt: Eine zentrale Plattform für das Underwriting – unterstützt durch ein starkes Produktmodell – schafft die Basis für Skalierbarkeit, Transparenz und internationale Standardisierung.
Die Digitalisierung der Industrieversicherung konsequent gestalten
Die Anforderungen in der Industrieversicherung sind so vielfältig wie die Unternehmen, die sie absichern soll. Internationale Standorte, komplexe Risikostrukturen, individuelle Wordings und branchen-spezifische Besonderheiten machen die Digitalisierung in diesem Bereich zu einer echten Herausforderung. Gleichzeitig wächst der Druck, Prozesse effizienter, transparenter und zukunftssicher zu gestalten – technisch wie fachlich.
Faktor Zehn Industry adressiert diese Anforderungen mit einer Plattform, die individuelle Vertragsgestaltung mit wiederverwendbaren Bausteinen verbindet, risikobasierte Entscheidungen unterstützt, sich flexibel in bestehende IT-Landschaften integrieren lässt und kontinuierlich weiterentwickelt wird – ohne Medienbrüche oder doppelte Datenpflege.
Auch der Funktionsumfang wird stetig erweitert und in der Faktor Zehn User Group Industry mit den aktuell drei teilnehmenden Versicherern regelmäßig abgestimmt. Für weitere Sparten wie Marine, Liability und Cyber wird zusätzlicher Mustercontent vorbereitet, um den Einstieg zu erleichtern und die Einführung zu beschleunigen – ähnlich wie bereits für die Sparten Property und Engineering verfügbar. Die separate Klauselverwaltung wird künftig eine zentrale, mehrsprachige Pflege von Klauseln ermöglichen – inklusive der Serviceanbindung für eine konsistente Nutzung in Faktor-IOS und Faktor-IPM.
Weitere geplante Funktionen sind strukturierte Risikomeldebögen sowie die Verwaltung von Rahmenverträgen. Über das Vertical Pricing können im Führungs- und Beteiligungsgeschäft die individuell verhandelten Raten je beteiligtem Versicherer erfasst und verwaltet werden.
Der Blick nach vorn zeigt: Die Rolle datengetriebener Entscheidungen wird weiter zunehmen, um die gezeichneten Risiken im Blick zu behalten und ungewünschte Kumule zu vermeiden und wettbewerbsfähige Preise anbieten zu können. Gleichzeitig wächst der Bedarf, regulatorische Anforderungen schneller umzusetzen, neue Produkte agiler zu entwickeln und Innovationen wie KI-basierte Risikobewertungen vorzubereiten.
Als Faktor Zehn wollen wir Versicherungen dabei unterstützen, nicht nur bestehende Prozesse zu digitalisieren, sondern neue Geschäftspotenziale zu erschließen und Einsparpotenziale zu heben – mit einer Plattform, die mitwächst, sich integrieren lässt und auf zukünftige Anforderungen vorbereitet ist.



